Reparaturbericht L-Spatz 55

Nachdem ab 28. April 1951 der Segelflug in Deutschland wieder erlaubt war, stieg in den Segelflugvereinen auch der Bedarf an einsitzigen Flugzeugen für den aufstrebenden Leistungssegelflug. Mit dem Spatz A entwickelte Scheibe - als zweite Konstruktion - die einsitzige Ergänzung zur Mü 13 E, Bergfalke I. Obwohl sich die Spatzen als sehr wendig auszeichneten, hatten sie aufgrund ihrer geringen Flügelschränkung (ausgenommen L-Spatz III) die schlechte Eigenschaft, bei überzogenem Flugzustand - ohne besondere Vorwarnung - über die Fläche abzukippen und ins Trudeln überzugehen. Dieser Zustand konnte jedoch durch schnelles Gegenseitenruder (Standardverfahren) sofort beendet werden. Die Baureihe Spatz war mit rund 500 gebauten Exemplaren das erfolgreichste Segelflugzeug der Firma Scheibe-Flugzeugbau GmbH. Charakteristisch für die Spatzen war das "Pfeifen", welches durch die Querruderspalte ausgelöst wurde.
Zahlreiche Spatzen sind in Museen ausgestellt oder werden von Privatpersonen und Vereinen flugfähig erhalten. Seit 1984 (am Flugplatz Kempten-Durach) findet jedes Jahr ein Spatzentreffen statt

Allgemeine Charakteristiken

  • Schulterdecker, Spannweite 15 m
  • max. Startmasse: 265 kg
  • Bestes Gleiten: 29 bei 73 km/h
  • Geringstes Sinken: 0,68 m/s bei 64 km/h
  • Erstflug: 1954
  • Serienbau: bis 1962
  • Gebaute Exemplare (alle Spatzentypen):
    ca. 300 in Deutschland,
    ca. 155 in Frankreich von der Fa. Avialsa als A.60 Fauconnet
    ca. 15 Exemplare bei Meteor in Italien als MS-30 L Passero

Wir werden dem Spatz wieder in die Luft helfen. Dabei auch behutsam das Original (eckige Haube und Rumpf) wieder hervorholen.

01.09.2019

Die ersten Arbeiten sind das Sortieren alter L-Akten und Papiere, erste Kontakte mit dem Prüfer, Erstellen eines Befundberichts und Arbeitsplans.
Das Flugzeug muss komplett ausgezogen werden, an diversen Stellen auch die Beplankung geöffnet- erst dann kann der Prüfer das erste Mal aktiv werden - und dann geht's auch los.

01.10.2019

Begonnen werden soll mit den Rudern. Deshalb werden jetzt vorab die Rudermomente ermittelt um später vergleichen zu können. Dann alte Bespannung runter, Beplankung auf Schäden checken, Verleimungen und Rippen prüfen und schliesslich dem Prüfer vorstellen.
Erst danach kann mit dem Bespannen begonnen werden.

Im zweiten Abschnitt kommen die Flächen dran.

Als letztes dann der Rumpf. Deshalb so spät, weil hier Teile wie Batterie, neue Instrumente, Funk/Flarm, Gurte, Kupplungen verbaut werden. Es macht wenig Sinn das alles anzuschaffen und dann jahrelang liegen zu lassen.

20.10.2019

Das Rudermoment des SR wird vorab ermittelt.

Die Formel ist M (Rudermoment) = P (gewogene Last am Randbogen) x r (Tiefe des Ruders)

M= 0,572 x 67 cm = 38,324 cm/kg = Rudermoment vor der Überholung

22.10.2019

Das Rudermoment des HR wird vorab ermittelt.

Die Formel ist M (Rudermoment) = P (gewogene Last am Randbogen) x r (Tiefe des Ruders)

Mlinks= 0,380 x 30 cm = 11,400 cm/kg = Rudermoment vor der Überholung
Mrechts= 0,381 x 30 cm = 11,430 cm/kg = Rudermoment vor der Überholung

Nun wird bei Seitenruder und Höhenruder die Bespannung entfernt. Auffällig war, dass jeweils die Enlüftungslöcher unten zubespannt waren. Nach dem Entfernen der Bespannung fand ich die Löcher, allerdings völlig mit Klebelack verschlossen und zu klein.
Mit einem Bohrer habe ich sie geöffnet- künftig werden sie wieder funktionieren.

02.11.2019

Die Höhenruderflosse ist gefüllert und blau lackiert. Diese Schichten werden vorsichtig abgeschliffen.

Etwa ein Drittel - (der Beschlagteil) ist oben und unten mit Glas belegt. Hier werde ich auch den Rest laminieren, dann kann direkt darauf lackiert werden.
Die fehlenden Entlüftungslöcher auf der Unterseite werden ergänzt.

30.12.2019

Die Querruder sind gefüllert und gelb lackiert. Diese Schichten werden vorsichtig abgeschliffen.

Kleinere Schäden sind vorhanden und werden ausgeschäftet.

Hierbei wird der Schäftdeckel und neben der ruderseitigen Schrägung mit Tesa abgeklebt. So lassen sich später die Nagelleisten besser entfernen. Zusätzlich kommt noch eine Folie über den Deckel / unter die Nagelleisten

15.01.2020

Beim zweiten QR sind beim Schütteln deutliche Bröselgeräusche zu hören. Sicherheitshalber wird die Beplankung vom Beschlag bis zum inneren Ende des Ruders entfernt. Optisch eine Katastrophe - aber die Rippen sind auch hier fest und mit der Beplankung verbunden. Ein Zeichen wie gut der Aeroduxleim verbindet.

Trotzdem werden in diesem Bereich die Rippen neu verleimt und die Beplankung komplett ersetzt.

Weiter aussen findet sich ein Laminatflicken, der (dem Klopfen nach) recht dick ist. Auch ist das sperrholz um die GFK Stelle stark angeschliffen. Wir entscheiden, auch hier die Beplankung zu entfernen. Wenn schon Grundüberholung, dann richtig.

Der ausgesägte GFK Fleck ist wie erwartet sehr schwer. Holz und Rippen darunter sind tadellos. Man sieht an der Unterseite des Fleckens auch die Ursache - die Sperrholzbeplankung war gebrochen und wurde mit Glas und viel Spachtel zugeschmiert.

Wir werden das komplette Beplankungsfeld ersetzen.